marie-luise frey – objekte | installationen

Der Kellerberg umschließt einen vielfach gestalteten Raum, der imstande ist, vielfältige Gedanken und Empfindungen zu wecken. Das Gewölbe vermag Geborgenheit zu vermitteln, durch seine Verzweigungen aber auch Verwirrung und Unsicherheit zu stiften. Seine Architektur gibt Anlass zu mancherlei Deutungen – an einigen Stellen liegt der ursprüngliche Zweck als Vorratskeller unmittelbar zutage, an anderen Stellen erinnert das Gewölbe an einen Ort kultischer Handlungen. Diese Vieldeutigkeit zwingt den Betrachter, sich aktiv mit dem Raum auseinander zu setzen. Er ist kein zweckdienliches Gehäuse, sondern eine eigene, auch sperrige Umfassung, welche sich einer bequemen Verwendung entgegenstellt. Insoweit hat es Kunst, die hier ausgestellt werden soll, durchaus schwer. Sie muss den Dialog mit dem Raum suchen, die Auseinandersetzung mit der Vielgestalt und vermag erst dann zu wirken, wenn dieses Zwiegespräch gelungen ist. Marie-Luise Frey und Nikolaus Heyduck haben den Mut, diesen Dialog aufzunehmen. Sie setzen sich auf unterschiedlichen Wegen mit dem Raum auseinander. Marie-Luise Frey nutzt das Licht um ihre Gedanken sichtbar zu machen und macht damit den Raum selbst zu einem Teil ihrer Botschaft. Sie gestaltet ein spannungsreiches Dreigespräch von Licht, Raum und Werk und verdeutlicht so auf beeindruckende Weise deren wechselseitige Bedingtheit. Ihre Botschaft ist mehr als die Summe ihrer Teile und lässt das Gesehene zu einer Einheit verschmelzen. Nikolaus Heyduck erweitert diesen Zugang, indem er den Raum zum Instrument seiner Klangvisionen formt. Diese füllen den Raum und interpretieren ihn zugleich. Seine Kompositionen erschließen so eine neue Dimension. Sie sind nicht nur eine tönende Botschaft, sondern geben dem Raum eine neue eigene Gestalt. So wird aus dem schwebenden Klang, dem unsichtbaren, schwarzen Licht, den leuchtenden Schriften und Ornamenten ein zauberhaftes, alle Sinne berührendes Erlebnis voller Poesie und Anmut, an den Augenblick gebunden und doch nachhaltig wirksam. Es ist kaum eine bessere Metapher denkbar für das, was den Alltag im Philipphospital ausmacht: Nämlich die fortwährende Auseinandersetzung mit sperrigen, dem allgemeinen Verständnis verschlossenen Erlebniswelten und im Ringen um das Verstehen schließlich das Zusammenfügen disparater Welten zu einer Gestalt, der die Kraft innewohnt, die Dinge ohne fremde Hilfe zu verstehen und in die eigene Hand zu nehmen.

© marie-luise frey | objekte | installationen   -   Oelmühlstraße 1   -   67583 Guntersblum  -  2016